Seltene Einblicke in ein geheimnisumwobenes Schloss

Auf eine Reise in die Vergangenheit begaben sich die Besucher des 45. Geschichtsstammtisches des Forster Museumsvereins am vergangenen Donnerstag. Im Mittelpunkt stand diesmal das kleine Örtchen Bohrau an der B112 gelegen.

Schon 30 Minuten vor dem eigentlichen Beginn waren im Saal im Gasthaus „Zur Oase“ nur noch vereinzelt Sitzplätze zu finden. Neben den Stammgästen der Veranstaltungsreihe waren auch viele Einwohner des Ortes erschienen. Das große Interesse überraschte dann doch ein wenig die Veranstalter.

Stefan Buss vom Museumsverein führte die Besucher bei einsetzenden Regen zunächst auf einem Rundgang durch den Ort. Am Kriegerdenkmal vorbei ging es zum Friedhof. Hier ist u.a. das Grab des Rennfahrers Georg Pawlack zu finden, der am 7. Oktober 1908 im damaligen Klein Bohrau geboren wurde. Seine Karriere als Radrennfahrer startete er im Verein „Frisch Auf“ Groß Bohrau. Auf der Forster Rennbahn hat er zur damaligen Zeit alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Pawlack war es auch, der Heinz Rühmann in dem auf der Forster Bahn gedrehten Film „Strich durch die Rechnung“ gedoubelt hatte. Am 10. Juni 1933 stürzte Georg Pawlack in Halle und zog sich schwere Kopfverletzungen zu, an denen er einen Tag später verstarb.

Nur ein paar wenige Schritte weiter von Pawlacks Grab befindet sich die Gruft derer von Würks, den ehemaligen Gutsbesitzern von Bohrau. „Als wir vor ein paar Jahren die Gruft besichtigten, kamen auch die Särge zum Vorschein. Ich kann Ihnen versichern, die sind noch prunkvoller gestaltet als der Sarg des Grafen Brühl.“, verriet Stefan Buss.

Der heimliche Star dieses Geschichtsstammtisches ist zweifellos das Schloss Bohrau. Viele Besucher sind nur deshalb erschienen, weil an diesen Abend die Möglichkeit bestand, das Gebäude einmal von innen zu besichtigen.

Viele Mythen ranken sich um dieses Schloss, das nach dem Krieg zunächst als Ferienlager diente, später KONSUM-Schule war und seit 1957 bis zu seiner Schließung 2003 als psychiatrisches Pflegeheim fungierte. Vielen ist das Gelände nur vom Vorbeifahren bekannt, es hatte die Aura des Verbotenen und Befremdlichen. „Du kommst nach Bohrau“ war ein häufig gehörter Satz zu DDR-Zeiten, wenn man jemanden beleidigen wollte.

Und tatsächlich, das leerstehende Gebäude wirkt heute unheimlich und gespenstisch. Die vielen kleinen Räume, die verlassenen gefliesten Bäder und die niedrigen Gewölbe im Keller versprühen einen Charme, der einem das Blut in den Ader gefrieren lässt. Als Kulisse für einen Horror-Film wären die Räumlichkeiten ideal geeignet.

Unter den Besuchern war auch Schwester Monika, die bis zum Schluss als Pflegekraft hier ihren Arbeitsplatz hatte. Sie konnte viele Fragen der Gäste beantworten. Bis zu 86 Bewohner waren hier im Heim untergebracht. Der ehemalige große Saal des Schlosses wurde zu einem Bettenzimmer umgestaltet, in dem sich 8 Personen auf 40 m² aufhielten. „Der Saal war nüchtern eingerichtet, es standen hier Bett, Nachttisch, Bett, Nachttisch Reihe an Reihe.“ verriet Schwester Monika.

Nach dem Umzug des KURSANA-Pflegeheimes nach Forst blieb das Gebäude ungenutzt. Derzeit gehört es zwei Briten, die es aus einer Zwangsversteigerung für 64.000 Euro erwarben und aktuell für 123.000 Euro wieder verkaufen wollen.

Zurück in der „Oase“ gab Stefan Buss den Besuchern einen kurzen Abriss über die Geschichte des Ortes. Archäologische Funde dokumentieren eine erste Besiedlung bereits in der Stein- und Bronzezeit Der Name Bohrau wird aus dem Wendischen hergeleitet und bedeutet soviel wie Auenwald. Als späteres Versallendorf der Stadt Forst wurde Bohrau 1381 erstmals urkundlich erwähnt.

Im Laufe der Jahrhunderte wechselten häufig die Eigentümer des Gutes. So tauchen in der Historie u.a. die Grafschaften von Löben, von Pannewitz, von Seidlitz und von Rabenau auf. Die Erbauung des Schlosses etwa um 1830 geht auf Ludwig Reinhard Würk zurück. Mit 445 Hektar Land war das Gut Bohrau eine überdurchschnittlich große Gemarkung, üblich seien damals Größen von 350 ha gewesen.

Einen großen Stellenwert nimmt das Gemeindeleben ein. 1924 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet, erster Wehrführer war Paul Lerke. Der Männergesangsverein gründete sich 1900. Dazu gab es den bereits erwähnten Radfahrverein „Frisch Auf“.

Die Einwohnerzahl Bohraus schwankte immer so um die 100 Bewohner. Mit Stand Ende 2016 lebten 89 Einwohner in Bohrau.

5. IKARUS-Treffen in Hoyerswerda

In Hoyerswerda fand am 1. Juli 2017 das 5. IKARUS-Treffen in Deutschland statt, organisiert durch den Freundeskreis IKARUS. Anlaß war der Tag der offenen Tür zum 25-jährigen Firmenjubiläum der Verkehrsgesellschaft Hoyerswerda.

Aus ganz Deutschland sowie aus Polen und Ungarn reisten Oldtimer-Liebhaber mit ihren IKARUS-Bussen an.  Mit einer Jahresproduktion von 15.000 Fahrzeugen zählte das ungarische Unternehmen einst zu den größten Bus-Herstellern der Welt, die Fahrzeuge waren auf allen Kontinenten zu finden – die meisten davon jedoch im damaligen Ostblock.

Auch in der DDR waren die IKARUS-Busse unterwegs, sowohl im Stadtlinienverkehr als auch im Überlandverkehr. So ist es auch kein Wunder, daß viele Besucher die ausgestellten historischen Fahrzeuge besichtigten und sich an ihre Fahrten mit einem IKARUS erinnerten. Neben Raritäten wie Busse der Baureihe 31 waren vor allem die Baureihen 55, 66 und natürlich 200 stark vertreten.

Wer wollte, konnte einen Blick in die Betriebswerkstätten des Verkehrsunternehmens werfen. Für die Kinder gab es auf dem Gelände eine Hüpfburg sowie eine Spielecke. Partner der VGH stellten ihr Unternehmen an Infoständen vor. Gern genutzt wurden auch Mitfahrgelegenheiten mit einem extra an diesem Tag eingerichteten Shuttle-Verkehr zwischen Betriebshof und Stadtzentrum.

Auch einige Oldtimer, die nicht zur Marke IKARUS gehören, waren zu besichtigen, so u.a. ein Robur-Bus, ein Dispatcher-Fahrzeug der Marke BARKAS oder ein Wartburg-Taxi.

Höhepunkt des Tages war natürlich die große Ausfahrt aller angereisten Busse durch die Stadt Hoyerswerda. In Begleitung der Polizei, die die Kreuzungsbereiche absperrte, rollte der Tross mit 42 Fahrzeugen aller Baujahre durch das Stadtzentrum und sorgte für ein beeindruckendes Bild.

Das IKARUS-Treffen Deutschland findet alle zwei Jahre in einer anderen Stadt statt.

Der „Wilde Westen“ in Radebeul lockte wieder zahlreiche Gäste aus Nah und Fern an

Das hätte Karl May sicherlich gefallen: nicht einmal 5 km von seinem Wohnhaus in Radebeul entfernt feierten knapp 30 000 Besucher trotz Temperaturen um die 30°C zusammen mit Künstlern aus Nordamerika, aus dem Orient und vom Balkan friedlich und fröhlich bei den 26. Karl-May-Festspielen.

Der Lößnitzgrund verwandelte sich einmal in eine Kulisse, wie man sie aus den Geschichten und Erzählungen Karl Mays kennt. Kulturvereine und Hobbyisten bauten Südstaatencamps oder Camps deutscher Aussiedler wie im Amerika des 19. Jahrhunderts nach. Das Fort Henry mit seinem Sheriff Office, den Trapperhütten oder dem Saloon vermittelte echtes Wild-West-Lebensgefühl.
In der kleinen Westernstadt „Little Tombstone“ sorgten Fotograf, Barbier, die Klein-Ganoven Eddi und Locci für jede Menge Trubel. Elegant gekleidete Damen und Herren flanierten in historischen Kostümen entlang der Festmeile.

In einer kleinen Waldlichtung gaben Häuptlinge und Tänzer der Oneida Indian Nation Einblicke in die indianische Kultur und feierten ein Pow Wow (traditionelles Fest der Indianer). Ed E. Bryant vom Stamme der Tsimshian (Kanada) zeigte Tänze und Rituale seines Stammes und Logan Staats, indianischer Musiker der Mohawk-Indianer, verzauberte mit rockigen und souligen Melodien das Publikum.

Logan Staats

Auf dem Geschichtenbasar erzählten Gäste vom Balkan und aus dem Orient Geschichten ihrer Heimatländer und präsentierten traditionelle Tänze.

Der Abenteurer Andreas Kieling, bekannt für seine faszinierenden Dokumentationen über die Wildnis, war als einer der Schirmherren des Fests vor Ort und kam nicht nur während einer Autogrammstunde mit den Besuchern ins Gespräch.

Auf der Show-Bühne in „Little Tomstone“ gab es ein abwechslungsreiches Musikprogramm für alle Fans der Country- und Westernmusik. Neben den kanadischen Internetstars „The Dead South“ traten mehrmals „The Fabulous Texadillos“ (D) sowie Meg Pfeiffer (D), die den italienischen Ausnahmegitarristen Luca Stricagnoli als ihren Special Guest begrüßte, auf.
Die Landesbühnen Sachsen machten auf die „Winnetou“-Vorstellungen auf der Felsenbühne Rathen neugierig und zeigten Ausschnitte des Programms.

Weitere Veranstaltungshöhepunkte waren die „Freiberger Country Nacht“ am Freitag, die Filmnacht am Samstag sowie die traditionelle Sternreiterparade am Sonntag.

Optischer Höhepunkt des Festes war ein 7 Meter hoher Totempfahl, den Ed E. Bryant in den Tagen zuvor aus einem Baumstamm gestaltete. Neben dem Bären und dem Adler als heilige Tiere der Indianer zeigte der Totempfahl das Abbild Karl Mays sowie symbolisch Mutter Erde. Dieser Totempfahl wird nach diesem Fest seinen ständigen Platz im Karl-May-Museum finden.

Im Einklang mit der Natur zu leben ist für indianische Völker eine Selbstverständlichkeit. Auch die Veranstalter der Karl-May-Festtage wurden von der Natur in diesem Jahr vor eine besondere Herausforderung gestellt. Am „Hohen Stein“, sonst Veranstaltungsort für die Präsentationen der Oneida Indian Nation sowie des Kinderspielplatzes, brütete ein Falken-Paar und zwang die Organisatoren, sich nach Ausweichstandorten umzusehen. Mit den Waldlichtungen „Kleine Feder“ sowie „Kleiner Stein“ wurden atmosphärisch-stimmige Ersatzorte gefunden.

Ganz im Sinne Karl Mays, der sich in seinen Geschichten und Erzählungen für Völkerverständigung und eine pazifistische Weltfriedensmission einsetzte, wurden die diesjährigen Karl-Max-Festtage wieder zu einem Austausch verschiedener Kulturen und zeigten eine Welt voller Fantasie, Sehnsucht nach Frieden und Abenteuerlust.

Copyright für alle Fotos: Thori, 2017
außer Titelbild: (C) Amt für Kultur und Tourismus Radebeul

Auf Schusters Rappen durch den „Märchenwald“

Auf eine Wanderung zu den geologischen Zeugen der Erdgeschichte machten sich am vergangenen Donnerstag die ca. 70 Besucher des 42. Forster Geschichtsstammtisches des Forster Museumsvereins.
„Einmal im Jahr nach Pusack!“ – diesen Ausspruch des ehemaligen Forster Denkmalpflegers Max Balde nahmen viele wörtlich. Punkt 18:00 Uhr setzte sich der Tross unter Führung von Kristian Schmidt vom Museumsverein in Bewegung. Von der zerstörten Neißebrücke, die früher die kleine Streusiedlung Pusack mit Groß Särchen, heute Zarki Wielki in Polen, verband, ging es auf dem Oder-Neiße-Radweg entlang der wenigen Häuser in Richtung Köbeln. Die Herkunftsbezeichnung Pusacks sei noch nicht eindeutig geklärt, so Kristian Schmidt. Die wahrscheinlichste Herkunft stammt wohl aus dem Niedersorbischen und bedeutet „Bienenweide“.

Auch der Pusacker Ortschronist Walter Schlammer ließ es sich nicht nehmen und schloß sich der Wandergruppe an. Mit seinem Wissen über die Historie des Ortes konnte er im Verlauf der Tour viele Fragen der Teilnehmer beantworten.

Kristian Schmidt, rechts von ihm mit den Wanderstöcken Ortschronist Walter Schlammer

Einen ersten Eindruck in die jahrtausende alte Erdgeschichte gab es an den Neiße-Terrassen kurz hinter dem Ortskern. Hier hat sich seit der Weichseleiszeit, beginnend vor etwa 115 000 Jahren, die Neiße durch den Muskauer Faltenbogen „gefressen“. Durch äußere Einflüsse änderte sich mehrmals das Höhenniveau des Flussbettes der Neiße, zurück blieben mehrere terrassenartige Plateaus. Selbst heute noch findet dieser Prozess statt, allerdings frisst sich die Neiße mehr in die Tiefe als in die Breite.
Eine besondere Rarität gab es am Wegesrand zu bewundern. Geflecktes Knabenkraut, eine Orchideenart, zog mit ihren violetten Blüten die Aufmerksamkeit der Wandersleut‘ auf sich.

Blick auf die Neiße-Terrassen

Die nächste Station war die „Grenzerquelle“, eine Schichtquelle, die sich aus den Wasser-Abflüssen der umliegenden Hänge speist. Ein schmaler Weg führt von hier steil nach oben auf die Hochflächen der Lachberge. Wie ein langer Wurm schlängelte sich die Gruppe durch die engen Schluchten, umsäumt von hoch aufragenden Bergwänden. Wohl dem, der vorbereitet war und sich seine Wanderstöcke von zu Hause mitbrachte. Aber auch abgefallene Äste wurden von einigen Wanderern kurzerhand zu Spazierstöcken umfunktioniert.

Entlang der Abbruchkante der Hochfläche, von der sich die Besucher einen Überblick hinab ins Tal verschaffen konnten, ging es zurück und weiter Richtung „Wolfsschlucht“. „Hier gibt es auch wieder mehrere Versionen, wie die Schlucht zu ihrem Namen kam.“, verriet Kristian Schmidt. „Unter anderen soll die ‚Freischütz‘-Oper eine Rolle gespielt haben.“ Wahrscheinlicher sei aber die Herleitung nach dem Vorsitzenden des damaligen Groß Särchener Schützenvereins, der Wolf mit Nachnamen hieß. In der Schlucht befand sich nämlich bis 1935 der Schießstand des Vereins.

Den Abschluss der Tour bildete der sagenumwobene „Märchenwald“. Durch die hier befindlichen Baumriesen, die Altarme der Neiße und den Erhebungen wirkt dieses Gelände in der Dämmerung unheimlich und mystisch, so dass Grenzpatrouillen, die hier vor langer Zeit vorbei kamen, wohl diesen Begriff prägten.
Nach gut zwei Stunden endete die etwa 7 km lange Tour wieder an der Pusacker Neiße-Brücke.

Der nächste Geschichtsstammtisch führt am 29. Juni nach Gosda an den Schafstall. Thema wird dann der Ozeanflieger Clarence Duncan Chamberlin sein, der bei seinem Nonstop-Flug von New York nach Deutschland in Klinge notlanden musste und für kurze Zeit diesen Ort zu einer gewissen Berühmtheit verhalf.

Auf den Spuren steinerner Zeugen der Geschichte

Zu „Geschichte und Geschichten in Stein“ lud der Museumsverein Forst am vergangenen Donnerstag Interessierte in den „Hornoer Krug“ ein. Im Rahmen des 39. Forster Geschichtsstammtisches wurden steinerne Artefakte und Flurdenkmäler, die sich auf polnischer Seite zwischen dem ehemaligen Forster Stadtteil Berge und dem Städtchen Pförten befinden, vorgestellt.

Moderator Frank Henschel verwies zu Beginn seines Vortrages auf eine gleichnamige Ausstellung im Kavaliershaus des Schlosses Pförten und nahm die zahlreich erschienenen Besucher anschließend mit auf eine imaginäre Fahrradtour zu den Zeugen der Vergangenheit. Von vielen ist nicht viel mehr übrig geblieben als Fragmente, bei einigen hat sich die Natur den Raum zurück erobert und legt sich wie ein schützender Mantel um die Objekte und gewährt nur Insidern Einblick. Doch es gibt auch Positives zu sehen. Dank deutsch-polnischer Freundschaften und auch einer gewissen Eigeninitiative konnten ein paar wenige Denkmäler gerettet und instandgesetzt werden, bevor sie endgültig in Vergessenheit geraten.

Gezeigt wurden historischen Aufnahmen der jeweiligen vorgestellten Objekte sowie der aktuelle Ist-Zustand. Anhand alter Pförtener Messtischblätter konnten die Historiker einige bisher unbekannte Denkmäler genauer verorten.

Neben den für die damalige Zeit typischen Turner- und Kriegerdenkmälern stellte Frank Henschel auch einige sehr spezielle Zeitzeugen aus Stein vor. So z.B. den Bruske-Stein, von den Einheimischen auch „Unglücksstein“ genannt. Der Ackerbürger Gottlieb Bruske aus Sommerfeld, der Überlieferung nach ein Kohlekutscher, fiel vermutlich übermüdet oder vom Alkohol berauscht von seiner Kutsche und wurde vom Fuhrwerk überrollt. Am Unfallort wurde ihm zu Ehren dieser Stein aufgestellt.

Nicht weniger interessant war es, Hintergründe zum Jagdstein im Pförtner Wald oder zum „Kallenbach-Stein“, einem Hinkelstein aus Granit, zu erfahren.

Auch zur bisher wenig bekannten Geschichte des Grafenkreuzes, an einer schwer passierbaren Eichen-Allee zwischen Kahlo und Beitzsch gelegen, konnte Frank Henschel Auskunft geben. 1856 verunglückte hier der 3. Standesherr der Grafschaft Brühl, Friedrich August Graf Brühl. Auf einem Findling war bis etwa 2005 ein riesiges geschmiedetes Kreuz angebracht, welches dann vermutlich gestohlen wurde. Dank der Initiative einiger historisch interessierter Bürger diesseits und jenseits der Neiße wurde ein neues Kreuz an alter Stelle errichtet. „Es gibt sogar Gerüchte und Mythen, die besagen, dass sich unter dem Findling ein kleiner, 7 kg schwerer Silberschatz befinden soll“ verrät Frank Henschel.

Ebenso mystisch mutet die verfallene Bockwindmühle in dem kleinen Örtchen Oegeln an. Von Bäumen und Sträuchern zugewuchert bietet sich dem Betrachter heute eine Ansicht, die an mysteriöse altertümliche Bauten tief im südamerikanischen oder asiatischen Dschungel erinnert.

Überregionale Bedeutung erlangte der Sinclair-Stein in der Nähe von Sorau. Der schottische Baron Malcolm Sinclair, der an der Seite der Schweden gegen Russland kämpfte, wurde 1739 hier von russischen Truppen ermordet. Zur Feier anlässlich der vor einigen Jahren beendeten Neugestaltung des Denkmals kamen sowohl Nachkommen des Barons als auch weitere Vertreter aus Polen, Schweden und Schottland.

Den Abschluß des Abends bildete der Blick auf einen ganz besonderen Stein: er befindet sich auf dem Rückenberg bei Sorau in 229 Meter Höhe NN und markiert den höchsten Berg der historischen Mark Brandenburg.

Forst mal aus einer anderen Perspektive

Eine ungewöhnliche Sicht auf die Stadt Forst bekamen die Besucher des 38. Geschichtsstammtisches am vergangenen Donnerstag im „Forster Hof“. Der Museumsverein lud zu einer Foto- und Filmvorführung zum Thema „Forst von oben“ ein.

Die Resonanz übertraf die Erwartungen der Veranstalter um Frank Henschel: kurz vor 18:00 Uhr waren alle bereit gestellten Stühle im „Forster Hof“ belegt, weitere Stühle mussten eilig heran geschafft werden, so groß war der Andrang. Seltene Ein- und Aussichten versprach Frank Henschel den gut 100 Zuschauern im Saal. Dazu hatte er sich Verstärkung geholt: Frank Owczarek zeigte auf der Leinwand zunächst eingescannte Postkarten mit alten Luftaufnahmen unserer Stadt. Leichtes Gemurmel unter den Anwesenden verriet, dass viele mit ihren Tischnachbarn rätselten, welcher Teil der Stadt da auf den Fotos zu sehen ist und was sich heute dort befindet.

Auffallend bei den Aufnahmen, die meist vor dem Krieg entstanden, waren die viele Schornsteine, die das Forster Stadtbild prägten. Aus der Luft erkennt man aber auch, dass das innere Stadtzentrum nahezu frei von Schornsteinen blieb und sich die Textilfabriken alle im damaligen Außenbereich befanden.
Eine weitere Auffälligkeit auf den Aufnahmen war die viereckige Bebauungsstruktur rund um die Stadtkirche, unterbrochen durch kleine heute nicht mehr erkennbare oder vorhandene Gassen.

Auch wenn Frank Henschel kompetent zu fast allen Fotos Auskunft geben konnte, blieben einige Fragen ungeklärt. So konnte nicht genau festgestellt werden, wo genau auf den Fotos das ehemalige Gasthaus „Kamerun“ zu finden ist. Selbst alteingesessene Forster konnten nicht immer für Aufklärung sorgen. Rätselhaft blieben zunächst auch die Kameraperspektiven einiger Fotografen – erst so nach und nach lichtete sich das Geheimnis, auch dank der Ortskenntnis einiger Zuschauer.
Der Blick auf den heute polnischen Teil von Forst, nach Berge, zeigte interessante Aufnahmen, so unter anderen die Aussicht über den „Seufzersteg“ auf das Finanzamt. Und ebenfalls nicht ganz uninteressant war die Ansicht des Brühl’schen Schlosses in Pförten, aufgenommen vor seiner Zerstörung.

Den zweiten Teil des Abends gestaltete Frank Junge. Der ehemalige Militärflieger der NVA widmet sich seit etwa 2 Jahren Luftbildaufnahmen, die er mit einer Kameradrohne diesseits und jenseits der Neiße aufnimmt. Bewegte Bilder aus der Luft geben ein völlig anderes Bild von Forst wieder. Man erkennt die Weitläufigkeit des Rosengartens, sieht die maroden Fabriken aus der Vogelperspektive, erkennt Details, die vom Boden aus nicht zu sehen sind.
Neben dem Film „Forst von oben“ zeigte Frank Junge „Zerstörte Brücken“ und nahm den Besucher mit auf eine Reise entlang der Neiße. Aufnahmen einer unberührten Natur, mystisch in Szene gesetzt mit dem Morgennebel am Flußufer und im Kontrast mit den Brückenstümpfen in der Neiße  zeugen von der Schönheit und Zerbrechlichkeit der Heimat.
Den Abschluss bildeten stimmungsvolle Sonnenuntergänge, aufgenommen am Silvestertag der Jahre 2015 und 2016.

„Es ist erstaunlich, wie groß eigentlich Forst ist“ und „Eigentlich ist Forst doch ein schönes Städtchen“ waren einige der Reaktionen der Zuschauer nach der Filmvorführung, die sich mit langem Beifall bei Frank Junge für die schönen Aufnahmen und ungewöhnlichen Blicke auf ihre Stadt bedankten.

„Was Sie sehen, ist ziemlich doof“ – Zehntausende Besucher erleben ein ziemlich lustiges Wochenende in Radebeul

Zehntausende Besucher waren wieder beim 25. Herbst- und Weinfest in Radebeul-Altkötzschenbroda zwischen Dorfanger und Streuobstwiesen unterwegs. Zeitgleich fand auch das XXI. Internationale Wandertheaterfestival statt.

„Was Sie sehen, ist ziemlich doof, “, sagte der US-Komödiant Jeff Hess in gebrochenem Deutsch, „aber es geht more doofer!“. Und damit gab er unter dem Gelächter der vielen anwesenden Zuschauer in seinem halbstündigen Programm „Durchgeknalltes für Fortgeschrittene“ gleich einmal die Richtung vor, die eigentlich für das gesamte Wochenende gültig war.

Weinfest Radebeul

Thomas Putensen sorgte auf dem Kirchplatz für Stimmung bei Groß und Klein

20 Ensembles und Solokünstler und insgesamt 500 Mitwirkende wirkten an dem dreitägigen Festprogramm mit. Auf 12 Spielstätten wurden 58 Aufführungen gezeigt. Getreu dem diesjährigen Motto „Narren, Gaukler, Komödianten“ erlebten die Zuschauer witzige, skurrile, überraschende, vor allem aber äußerst unterhaltsame Programme für jeden Geschmack. Hinzu kamen 25 Bands aus aller Welt, die musikalisch für entsprechende Stimmung sorgten.

Gut beraten war, wer sich vorab über das Programm informierte und sich seine persönlichen Programm-Höhepunkte zusammenstellte. Denn Alles und Jeden zu erleben, ist beinahe unmöglich. Mehrere Bühnen wurden gleichzeitig bespielt, Straßenmusiker flanierten über den Anger, Attraktionen aus der Kirmes-Frühzeit sorgten für spontanes Mitmachen. Geboten wurde Comedy, Kabarett, Clownerie, Improvisationstheater – eben das ganze Spektrum an Narretei und Gaukelei.

Weinfest Radebeul

Die Microband aus Italien spielte „Classica for Dummies“

So präsentierte u.a. der Schweizer Georg Traber sein muskelkraftbetriebenes Theaterkarussell, auf dem die Gäste Platz nehmen und das Festtreiben aus einer ganz besonderen Sichtweise verfolgen konnten.

Unheimliches verkündeten die Macher von „De stijle Want“ (Niederlande) mit ihrem Lunapark: „Die Überlebenswahrscheinlichkeit beträgt 49, äh 94%!“. Mit 2:23 Minuten Spieldauer hatten sie nicht nur die kürzeste Aufführung, sondern den teilnehmenden Besuchern auch ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert – angeblich nur, weil sie dieses Mordsgaudi überlebt hatten…

Weinfest Radebeul

Die nette Frau vom Lobbüro

Wer wollte, konnte sich schräg gegenüber vom Lunapark belobigen lassen. Im Lobbüro gab es ein ständiges Kommen und Gehen.

Richard von Gigantikow errichtete auf den nahegelegen Elbwiesen aus Holzpaletten einen 1200 m² großen Skulpturengarten, das „LABYmania“. Hier fand auch das Finale Grande statt. Traditionell geht das „LABYmania“ zum Abschluß des Festivals in Flammen auf.

Weinfest Radebeul

Auch die „Landesbühnen Sachsen“ mischten sich unters belustigte Volk und zeigten an mehreren Spielorten Ausschnitte ihres Repertoires.

An die jüngsten Besucher wurde ebenfalls gedacht, für sie gab es auf den Streuobstwiesen in Elbnähe eine Kinderkirmes mit kindgerechter Unterhaltung.

Weinfest RadebeulWer die heitere Kunst zu ernst nahm und sich absolut nicht amüsieren wollte oder konnte (was schwer vorstellbar ist angesichts der exzellenten Künstler), war beim Bummel über den Dorfanger vielleicht besser aufgehoben. 30 Winzer und Weinbaugemeinschaften aus den Anbaugebieten Sachsen und Saale-Unstrut boten in zwei Weindörfern frischen Federweißen und erlesene Weine aus ihren jeweiligen Regionen. Über 30 Höfe und Gaststätten entlang des Dorfangers waren für die Festbesucher geöffnet.

Man darf schon jetzt gespannt sein, was die Organisatoren für 2017 geplant haben. Aber eines dürfte schon jetzt sicher sein: More doofer geht immer!

Impressionen vom 16. Militär- und Nutzfahrzeugtreffen in Cottbus

Jedes Jahr am zweiten Juli-Wochenende findet auf dem Gelände des Flugplatzmuseum Cottbus das Militär- und Nutzfahrzeugtreffen statt. Auch das 16. Treffen am 09. und 10. Juli 2016 bot wieder allerhand.

Neben der Möglichkeit, die ständige Ausstellung des Museums mit den ausgestellten Flugzeugen, Hubschraubern und der Flugtechnik zu besichtigen, locken vor allem historische Militärtechnik, Oldtimer und viele Mitmach-Angebote die Besucher.

Militärfahrzeuge des 2. Weltkrieges, der Sowjetarmee, der NVA sowie der Alliierten Großmächte vermitteln dem interessierten Betrachter ein Stück Zeitgeschichte. Hinzu kommen historische Nutzfahrzeuge (vorwiegend aus Produktion des ehemaligen Ostblocks) , Traktoren  und Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr und Krankentransport.

Wer sich traut, kann in einem Panzer oder Jeep Platz nehmen und sich durch das angrenzende Wäldchen chauffieren lassen. Ebenfalls im Wald zu finden sind nachgestaltete Feldlager aus dem 2. Weltkrieg, dem Vietnam-Krieg sowie der russischen Armee. Männer und Frauen in historischen Kostümen stellen den Alltag in solch einem Feldlager nach.

Aber nicht nur Besitzer von LKW präsentieren ihre Fahrzeuge, sondern auch Sammler von PKW und Motorrädern. Händler bieten Uniformen, Fahrzeug-Ersatzteile, Literatur und vieles mehr an. Die geöffneten Cockpits der auf dem Museumsgelände ausgestellten Militärflugzeuge und -Hubschrauber wecken das Interesse besonders der jüngsten Besucher.

Im Museumsgebäude wird die Geschichte der militärischen und zivilen Luftfahrt der Lausitz präsentiert. So gibt es anhand von Modellen, Originalteilen und Schautafeln Informationen zu ehemaligen Flugplätzen in der Region. Ein Schwerpunkt der Ausstellung ist der legendären MiG-21 gewidmet.

Nachfolgend ein paar wenige Impressionen vom diesjährigen Treffen.