Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt

Im ersten Hof in der Rosenthaler Straße 39, unweit des Hackeschen Marktes in Berlin, befindet sich das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt.

Der blinde Bürstenfabrikant Otto Weidt beschäftigte während des zweiten Weltkrieges in seiner Fabrik hauptsächlich blinde und gehörlose Juden, die Besen und Bürsten herstellten. Einige der Arbeiter wurden mit gefälschten Papieren eingestellt. Um seine Arbeiter vor Verfolgung oder Deportation zu schützen, bestach er die Gestapo-Funktionäre mit teuren Seifen, Zigaretten oder Alkohol. Als sich die unangekündigten „Besuche“ der Gestapo häuften und die Bedrohung immer größer wurde, suchte Otto Weidt nach Verstecken für seine Mitarbeiter. Eines befand sich in seiner Werkstatt.

Zu seiner Schreibkraft Alice Licht, ebenfalls Jüdin, hatte Otto Weidt ein besonderes, inniges Verhältnis. Trotz aller Bestechungsversuche konnte Weidt jedoch irgendwann nicht mehr verhindern, daß seine Mitarbeiter deportiert wurden. So auch Alice Licht.
Durch glückliche Umstände erreichte eine Postkarte von Alice Licht, die sie während ihres Transports ins KZ Auschwitz-Birkenau schrieb, die Werkstatt. Otto Weidt machte sich – blind, allein und als Vertreter seiner als „wehrwichtig“ eingestuften Fabrik getarnt – auf den Weg nach Auschwitz, um ein Lebenszeichen von Alice zu erhalten. Er erfuhr, daß Alice nach Christianstadt verlegt wurde. Hier gelang es Otto Weidt, über Mittelsmänner Kontakt zu Alice aufzunehmen und ihre Flucht vorzubereiten. Er hinterlegte Kleidung und Geld.

Postkarte von Alice Licht an Otto Weidt

Im Januar 1945 gelang Alice Licht während der chaotischen Auflösung des Lagers die Flucht. Sie war die einzige KZ-Überlebende aus Otto Weidts Belegschaft. Ihre Liebe zu Otto Weidt erfüllte sich nicht, nach Kriegsende wanderte Alice Licht nach Amerika aus. Otto Weidt starb 1947.

Das Versteck der Familie Horn

In den Räumen der ehemaligen Blindenwerkstatt Otto Weidt befindet sich heute eine Ausstellung, die die Geschichte der Blindenwerkstatt und deren Arbeiter erzählt. Berliner Studierende entdeckten 1998 die seit 1945 fast unverändert erhalten gebliebenen Räume der Blindenwerkstatt. Um die Erinnerung an Otto Weidt zu bewahren, initiierten sie eine Ausstellung zur Geschichte der Werkstatt. Seit 2005 gehört das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt zur Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand.

Originaldokumente, so u.a. die Postkarte von Alice Licht an Otto Weidt, Fotos und Einrichtungsgegenstände bereichern die Ausstellung. Am Ende der Werkstatt und damit am Ende des Ausstellungsbereiches befindet sich das Versteck der jüdischen Familie Horn, das besichtigt werden kann.

Die israelische Gedenkstätte Yad Vashem ehrt Otto Weidt als einen der „Gerechten unter den Völkern“.

Das Museum ist fußläufig vom S-Bahnhof Hackescher Markt zu erreichen (ca. 5 Minuten). Etwa 50 Meter nach den in Reiseführern beschriebenen und daher von Touristen eher besuchten Hackeschen Höfen am Hackeschen Markt befindet sich der Durchgang zum Hof Rosenthaler Straße 39 mit dem Museum. Der Besucherstrom durch den Hof hält sich hier noch in Grenzen.

Geöffnet ist das Museum täglich (außer am 24.12.) von 10 – 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Zur Webseite des Museums

Die Altstadt von Küstrin

Eine Studienfahrt des Forster Museumsvereins führte am 28. September 2019 in die Altstadt von Küstrin, heute auf der östlichen Seite der Oder gelegen.

Ab 1537 vom Markgraf Johann von Küstrin erbaut, hat die alte Festungsstadt eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Der preußische Thronfolger Prinz Friedrich, später als Friedrich der Große in die Geschichte eingegangen, wurde 1730 nach einem vergeblichen Fluchtversuch von seinem Vater Friedrich Wilhelm I. auch als Soldatenkönig bekannt, auf der Festung Küstrin gefangen gehalten. Friedrichs engster Vertrauter, Freund und Mitwisser, der Leutnant der königlichen Garde Hans Hermann von Katte, wurde am 6. November 1730 hier hingerichtet.

Die Festung wurde auch als „Nest der Hohenzollern“ bezeichnet. Schloss, Rathaus, Marktplatz und die gewaltige Pfarrkirche prägten das Stadtbild. Sogar eine elektrische Straßenbahn fuhr durch Küstrin.

Im Frühjahr 1945 wurde Küstrin zur Frontstadt. Auf dem Weg nach Berlin ließ sich die Rote Armee auch an der Oder nicht von der Wehrmacht aufhalten. Heftige Kämpfe um die Festung ließen kein Stein auf dem anderen: die Altstadt von Küstrin wurde zu 100% zerstört. Die Reste der Stadt wurden nach Kriegsende abgetragen und ins Landesinnere zum Neuaufbau größerer polnischer Städte transportiert. Das Küstriner Altstadtensemble wurde nie wieder aufgebaut.

Ruinen sind alles, was heute noch von der einst blühenden Stadt übrig geblieben ist. Die Natur holte sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte Stück für Stück das Land zurück. Das „Küstriner Pompeji“ nennt man heute diesen Ort. Straßenschilder verweisen auf die ehemalige Straßenführung innerhalb der Stadt.
Von der Festung aus dem 16. Jahrhundert sind nur noch Teile vorhanden. In den Kasematten der Bastion Phillipp an der Südspitze der Festung befindet sich seit Mai 2014 eine Dauerausstellung zur Geschichte des Ortes und der Festung.

Auch wenn nicht mehr viel übrig geblieben ist von der Küstriner Altstadt, lohnt sich doch ein Besuch des gesamten Areals.

 

Findlingspark Henzendorfer Heide

Südwestlich von Henzendorf, einem Ortsteil von Neuzelle, am Rande des malerischen Schlaubetals, findet der Reisende auf einer riesigen Wiesenfläche scheinbar wahllos verstreute zahlreiche Findlinge. Doch nicht die Eiszeit, sondern der Mensch hat diese Findlinge in die Landschaft gesetzt.

Die Gesteine wurden nach dem Vorbild keltischer und hethitischer Steinmetzarbeiten gestaltet. So erkennt man auf den riesigen Steinen mythische Gestalten und Malereien, Symbole und Reliefs.

Am Eingang zum Park sind Findlinge aufgestellt, die u.a. im Tagebau Jänschwalde entdeckt wurden.

Holländerwindmühle Straupitz/Spreewald

2010-04-05 Holländer-Windmühle Straupitz 003In Straupitz lohnt sich für den Spreewald-Besucher ein Abstecher zur Holländerwindmühle. Es ist die letzte noch produzierende Dreifachwindmühle Europas. Unter dem Dach des imposanten und mehr als 350 Jahre alten Bauwerkes sind eine Mahl-, Öl- und eine Sägemühle vereint.

Alle drei Mühlen sind noch voll funktionsfähig, auch wenn die Sägemühle wegen ihrer Unwirtschaftlichkeit nur noch selten in Betrieb genommen wird.

Umso interessanter ist die Besichtigung der Ölmühle. Sie ist eine der letzten ihrer Art in Deutschland. Täglich wird hier wie vor 100 Jahren Leinöl gepresst. Eine Kostprobe gibt es beim Ölmüller. Und was sofort auffällt: Das hier hergestellte Leinöl schmeckt anders als das industriell hergestellte Leinöl aus dem Supermarkt. Allein diese Erfahrung ist einen Besuch wert!

Wissen um die “Wunderwirkung” des Leinöls, das vor allem in der Lausitzer Küche sehr beliebt ist, gibt es gratis vom Ölmüller dazu.
Im Müllerhaus nebenan kann man übrigens frisches Leinöl für den Heimbedarf kaufen.

2010-04-05 Holländer-Windmühle Straupitz 004

Blick in die Sägemühle

Bewertung:
Erreichbarkeit und Ausschilderung: gute Ausschilderung im Ortszentrum
Eintrittspreise: 3,50 € (Besichtigung Mühle, Gratis-Leinölprobe)
Parkplätze: vorhanden, dürften aber zu Spitzenzeiten schnell voll sein
Versorgung: Cafe im Müllerhaus (40 Plätze), weitere Plätze auf dem Mühlenhof

2011-06-04 Hähnchen, Straupitz, Klinge 018

Die Straupitzer Holländerwindmühle
(c) für alle Fotos: Thori, 2010

www.windmuehle-straupitz.de