Forst mal aus einer anderen Perspektive

Eine ungewöhnliche Sicht auf die Stadt Forst bekamen die Besucher des 38. Geschichtsstammtisches am vergangenen Donnerstag im „Forster Hof“. Der Museumsverein lud zu einer Foto- und Filmvorführung zum Thema „Forst von oben“ ein.

Die Resonanz übertraf die Erwartungen der Veranstalter um Frank Henschel: kurz vor 18:00 Uhr waren alle bereit gestellten Stühle im „Forster Hof“ belegt, weitere Stühle mussten eilig heran geschafft werden, so groß war der Andrang. Seltene Ein- und Aussichten versprach Frank Henschel den gut 100 Zuschauern im Saal. Dazu hatte er sich Verstärkung geholt: Frank Owczarek zeigte auf der Leinwand zunächst eingescannte Postkarten mit alten Luftaufnahmen unserer Stadt. Leichtes Gemurmel unter den Anwesenden verriet, dass viele mit ihren Tischnachbarn rätselten, welcher Teil der Stadt da auf den Fotos zu sehen ist und was sich heute dort befindet.

Auffallend bei den Aufnahmen, die meist vor dem Krieg entstanden, waren die viele Schornsteine, die das Forster Stadtbild prägten. Aus der Luft erkennt man aber auch, dass das innere Stadtzentrum nahezu frei von Schornsteinen blieb und sich die Textilfabriken alle im damaligen Außenbereich befanden.
Eine weitere Auffälligkeit auf den Aufnahmen war die viereckige Bebauungsstruktur rund um die Stadtkirche, unterbrochen durch kleine heute nicht mehr erkennbare oder vorhandene Gassen.

Auch wenn Frank Henschel kompetent zu fast allen Fotos Auskunft geben konnte, blieben einige Fragen ungeklärt. So konnte nicht genau festgestellt werden, wo genau auf den Fotos das ehemalige Gasthaus „Kamerun“ zu finden ist. Selbst alteingesessene Forster konnten nicht immer für Aufklärung sorgen. Rätselhaft blieben zunächst auch die Kameraperspektiven einiger Fotografen – erst so nach und nach lichtete sich das Geheimnis, auch dank der Ortskenntnis einiger Zuschauer.
Der Blick auf den heute polnischen Teil von Forst, nach Berge, zeigte interessante Aufnahmen, so unter anderen die Aussicht über den „Seufzersteg“ auf das Finanzamt. Und ebenfalls nicht ganz uninteressant war die Ansicht des Brühl’schen Schlosses in Pförten, aufgenommen vor seiner Zerstörung.

Den zweiten Teil des Abends gestaltete Frank Junge. Der ehemalige Militärflieger der NVA widmet sich seit etwa 2 Jahren Luftbildaufnahmen, die er mit einer Kameradrohne diesseits und jenseits der Neiße aufnimmt. Bewegte Bilder aus der Luft geben ein völlig anderes Bild von Forst wieder. Man erkennt die Weitläufigkeit des Rosengartens, sieht die maroden Fabriken aus der Vogelperspektive, erkennt Details, die vom Boden aus nicht zu sehen sind.
Neben dem Film „Forst von oben“ zeigte Frank Junge „Zerstörte Brücken“ und nahm den Besucher mit auf eine Reise entlang der Neiße. Aufnahmen einer unberührten Natur, mystisch in Szene gesetzt mit dem Morgennebel am Flußufer und im Kontrast mit den Brückenstümpfen in der Neiße  zeugen von der Schönheit und Zerbrechlichkeit der Heimat.
Den Abschluss bildeten stimmungsvolle Sonnenuntergänge, aufgenommen am Silvestertag der Jahre 2015 und 2016.

„Es ist erstaunlich, wie groß eigentlich Forst ist“ und „Eigentlich ist Forst doch ein schönes Städtchen“ waren einige der Reaktionen der Zuschauer nach der Filmvorführung, die sich mit langem Beifall bei Frank Junge für die schönen Aufnahmen und ungewöhnlichen Blicke auf ihre Stadt bedankten.

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