Auf Schusters Rappen durch den „Märchenwald“

Auf eine Wanderung zu den geologischen Zeugen der Erdgeschichte machten sich am vergangenen Donnerstag die ca. 70 Besucher des 42. Forster Geschichtsstammtisches des Forster Museumsvereins.
„Einmal im Jahr nach Pusack!“ – diesen Ausspruch des ehemaligen Forster Denkmalpflegers Max Balde nahmen viele wörtlich. Punkt 18:00 Uhr setzte sich der Tross unter Führung von Kristian Schmidt vom Museumsverein in Bewegung. Von der zerstörten Neißebrücke, die früher die kleine Streusiedlung Pusack mit Groß Särchen, heute Zarki Wielki in Polen, verband, ging es auf dem Oder-Neiße-Radweg entlang der wenigen Häuser in Richtung Köbeln. Die Herkunftsbezeichnung Pusacks sei noch nicht eindeutig geklärt, so Kristian Schmidt. Die wahrscheinlichste Herkunft stammt wohl aus dem Niedersorbischen und bedeutet „Bienenweide“.

Auch der Pusacker Ortschronist Walter Schlammer ließ es sich nicht nehmen und schloß sich der Wandergruppe an. Mit seinem Wissen über die Historie des Ortes konnte er im Verlauf der Tour viele Fragen der Teilnehmer beantworten.

Kristian Schmidt, rechts von ihm mit den Wanderstöcken Ortschronist Walter Schlammer

Einen ersten Eindruck in die jahrtausende alte Erdgeschichte gab es an den Neiße-Terrassen kurz hinter dem Ortskern. Hier hat sich seit der Weichseleiszeit, beginnend vor etwa 115 000 Jahren, die Neiße durch den Muskauer Faltenbogen „gefressen“. Durch äußere Einflüsse änderte sich mehrmals das Höhenniveau des Flussbettes der Neiße, zurück blieben mehrere terrassenartige Plateaus. Selbst heute noch findet dieser Prozess statt, allerdings frisst sich die Neiße mehr in die Tiefe als in die Breite.
Eine besondere Rarität gab es am Wegesrand zu bewundern. Geflecktes Knabenkraut, eine Orchideenart, zog mit ihren violetten Blüten die Aufmerksamkeit der Wandersleut‘ auf sich.

Blick auf die Neiße-Terrassen

Die nächste Station war die „Grenzerquelle“, eine Schichtquelle, die sich aus den Wasser-Abflüssen der umliegenden Hänge speist. Ein schmaler Weg führt von hier steil nach oben auf die Hochflächen der Lachberge. Wie ein langer Wurm schlängelte sich die Gruppe durch die engen Schluchten, umsäumt von hoch aufragenden Bergwänden. Wohl dem, der vorbereitet war und sich seine Wanderstöcke von zu Hause mitbrachte. Aber auch abgefallene Äste wurden von einigen Wanderern kurzerhand zu Spazierstöcken umfunktioniert.

Entlang der Abbruchkante der Hochfläche, von der sich die Besucher einen Überblick hinab ins Tal verschaffen konnten, ging es zurück und weiter Richtung „Wolfsschlucht“. „Hier gibt es auch wieder mehrere Versionen, wie die Schlucht zu ihrem Namen kam.“, verriet Kristian Schmidt. „Unter anderen soll die ‚Freischütz‘-Oper eine Rolle gespielt haben.“ Wahrscheinlicher sei aber die Herleitung nach dem Vorsitzenden des damaligen Groß Särchener Schützenvereins, der Wolf mit Nachnamen hieß. In der Schlucht befand sich nämlich bis 1935 der Schießstand des Vereins.

Den Abschluss der Tour bildete der sagenumwobene „Märchenwald“. Durch die hier befindlichen Baumriesen, die Altarme der Neiße und den Erhebungen wirkt dieses Gelände in der Dämmerung unheimlich und mystisch, so dass Grenzpatrouillen, die hier vor langer Zeit vorbei kamen, wohl diesen Begriff prägten.
Nach gut zwei Stunden endete die etwa 7 km lange Tour wieder an der Pusacker Neiße-Brücke.

Der nächste Geschichtsstammtisch führt am 29. Juni nach Gosda an den Schafstall. Thema wird dann der Ozeanflieger Clarence Duncan Chamberlin sein, der bei seinem Nonstop-Flug von New York nach Deutschland in Klinge notlanden musste und für kurze Zeit diesen Ort zu einer gewissen Berühmtheit verhalf.

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