Auf den Spuren steinerner Zeugen der Geschichte

Zu „Geschichte und Geschichten in Stein“ lud der Museumsverein Forst am vergangenen Donnerstag Interessierte in den „Hornoer Krug“ ein. Im Rahmen des 39. Forster Geschichtsstammtisches wurden steinerne Artefakte und Flurdenkmäler, die sich auf polnischer Seite zwischen dem ehemaligen Forster Stadtteil Berge und dem Städtchen Pförten befinden, vorgestellt.

Moderator Frank Henschel verwies zu Beginn seines Vortrages auf eine gleichnamige Ausstellung im Kavaliershaus des Schlosses Pförten und nahm die zahlreich erschienenen Besucher anschließend mit auf eine imaginäre Fahrradtour zu den Zeugen der Vergangenheit. Von vielen ist nicht viel mehr übrig geblieben als Fragmente, bei einigen hat sich die Natur den Raum zurück erobert und legt sich wie ein schützender Mantel um die Objekte und gewährt nur Insidern Einblick. Doch es gibt auch Positives zu sehen. Dank deutsch-polnischer Freundschaften und auch einer gewissen Eigeninitiative konnten ein paar wenige Denkmäler gerettet und instandgesetzt werden, bevor sie endgültig in Vergessenheit geraten.

Gezeigt wurden historischen Aufnahmen der jeweiligen vorgestellten Objekte sowie der aktuelle Ist-Zustand. Anhand alter Pförtener Messtischblätter konnten die Historiker einige bisher unbekannte Denkmäler genauer verorten.

Neben den für die damalige Zeit typischen Turner- und Kriegerdenkmälern stellte Frank Henschel auch einige sehr spezielle Zeitzeugen aus Stein vor. So z.B. den Bruske-Stein, von den Einheimischen auch „Unglücksstein“ genannt. Der Ackerbürger Gottlieb Bruske aus Sommerfeld, der Überlieferung nach ein Kohlekutscher, fiel vermutlich übermüdet oder vom Alkohol berauscht von seiner Kutsche und wurde vom Fuhrwerk überrollt. Am Unfallort wurde ihm zu Ehren dieser Stein aufgestellt.

Nicht weniger interessant war es, Hintergründe zum Jagdstein im Pförtner Wald oder zum „Kallenbach-Stein“, einem Hinkelstein aus Granit, zu erfahren.

Auch zur bisher wenig bekannten Geschichte des Grafenkreuzes, an einer schwer passierbaren Eichen-Allee zwischen Kahlo und Beitzsch gelegen, konnte Frank Henschel Auskunft geben. 1856 verunglückte hier der 3. Standesherr der Grafschaft Brühl, Friedrich August Graf Brühl. Auf einem Findling war bis etwa 2005 ein riesiges geschmiedetes Kreuz angebracht, welches dann vermutlich gestohlen wurde. Dank der Initiative einiger historisch interessierter Bürger diesseits und jenseits der Neiße wurde ein neues Kreuz an alter Stelle errichtet. „Es gibt sogar Gerüchte und Mythen, die besagen, dass sich unter dem Findling ein kleiner, 7 kg schwerer Silberschatz befinden soll“ verrät Frank Henschel.

Ebenso mystisch mutet die verfallene Bockwindmühle in dem kleinen Örtchen Oegeln an. Von Bäumen und Sträuchern zugewuchert bietet sich dem Betrachter heute eine Ansicht, die an mysteriöse altertümliche Bauten tief im südamerikanischen oder asiatischen Dschungel erinnert.

Überregionale Bedeutung erlangte der Sinclair-Stein in der Nähe von Sorau. Der schottische Baron Malcolm Sinclair, der an der Seite der Schweden gegen Russland kämpfte, wurde 1739 hier von russischen Truppen ermordet. Zur Feier anlässlich der vor einigen Jahren beendeten Neugestaltung des Denkmals kamen sowohl Nachkommen des Barons als auch weitere Vertreter aus Polen, Schweden und Schottland.

Den Abschluß des Abends bildete der Blick auf einen ganz besonderen Stein: er befindet sich auf dem Rückenberg bei Sorau in 229 Meter Höhe NN und markiert den höchsten Berg der historischen Mark Brandenburg.