Geheimnis um Forster Postsäule bleibt ungeklärt

Warum hat Forst eigentlich keine Postsäule? Und was hat es mit den Meilensteinen auf sich, die der aufmerksame Autofahrer hin und wieder entlang der Straßen entdeckt? Diese bislang ungeklärten Fragen waren Mittelpunkt des mittlerweile 58. Geschichtsstammtisches des Forster Museumsvereins, der – dem Anlass entsprechend – diesmal in Landgasthaus „Zum Urwald“ im Forster Ortsteil Groß Jamno stattfand. Denn nur wenige Gehminuten vom Gasthaus entfernt, an der L49, befindet sich so ein preußischer Meilenstein.

Jürgen Grumbt, Philatelist und Kenner der regionalen Postgeschichte, machte sich mit den Besuchern des Geschichtsstammtisches auf eine Zeitreise zurück in eine Zeit, als noch Kutschen auf Feldwegen unterwegs waren, Forst mal sächsisch, mal preußisch war und die Post von Ortschaft zu Ortschaft zu Fuß transportiert wurde. „Von sächsischen Postsäulen, preußischen Meilensteinen und historischen Wegweisern“ lautete das Thema des Abends.

Viele historische Fakten bezog Jürgen Grumbt von der „Forschungsgruppe Meilensteine e.V.“, aus Archiven und weiterführender Literatur. Sucht man Antworten auf obige Fragen, muß man sich zurück ins 18. Jahrhundert versetzen. Große Teile der Niederlausitz gehörten damals zu Sachsen, lediglich Cottbus bildete eine preußische Enklave. Die Hauptstadt der damaligen Niederlausitz war Lübben. Post in die Hauptstadt wurde zu Fuß über Guben, Lieberose nach Lübben ausgeliefert. Um die Entfernungen anzuzeigen, wurden in größeren Städten Postmeilensäulen aufgestellt, die in einigen Orten noch heute existieren, so unter anderen in Guben.

Zwischen 1712 bis 1750 sollten auch in Forst an den Ortseingängen Postmeilensäulen aufgestellt werden. Bis dahin diente lediglich ein hölzerner Wegweiser auf dem Berliner Platz zur Orientierung, wie auf alten Ansichten zu erkennen ist.

Der Vermessungsingenieur Zirner wurde mit der Vermessung der Strecke beauftragt. Zwischen Forst und Guben sollten sogenannte Viertel- und Halbmeilensäulen aufgestellt werden. Die Vorarbeiten wurden in Forst dementsprechend in Angriff genommen. Als Entfernungsangabe diente die Reisezeit in Stunden. So rechnete man mit 4,5 km pro Stunde.

Sachsen und Preußen befanden sich damals im Krieg. Während die Sachsen Napoleons Truppen unterstützten, kämpften die Preußen an der Seite der Russen und Österreicher. Bei der Völkerschlacht bei Leipzig gingen Napoleon und seine Verbündeten als Verlierer vom Platz. Am 22. Mai 1815 unterzeichneten in Wien Vertreter beider Lager den Wiener Friedensvertrag – mit dem Ergebnis, dass die Niederlausitz nun preußisch wurde. Überall im Lande standen allerdings noch die Postsäulen mit sächsischen Hoheitszeichen. Nur Forst hatte noch immer keine Säule.

Jürgen Grumbt hat zwei Theorien, warum in Forst keine Postsäule stand: „ Die Forster Säule wurde um 1740 in Dresden fertig- und zur Abholung bereitgestellt. Die Verwaltung in Lübben könnte Forst aufgefordert haben, die Säule selber abzuholen. Da damals schon die Kassen knapp waren, lehnten die Forster Stadtverantwortlichen die Abholung ab.“ Eine zweite Vermutung könnte sein, dass die fertige Säule zweckentfremdet und später woanders verbaut wurde.

Da im Zuge des Wiener Vertrages die Niederlausitz nun zu Preußen gehörte, dienten zur Entfernungsangabe ab sofort preußische Meilensteine. Eine preußische Meile beträgt 7,5 km.

In unserer Region sind noch einige dieser preußischen Meilensteine zu finden. Eine befindet sich in Groß Jamno (von Forst kommend auf der linken Seite kurz hinter der Abbiegung zum „Urwald“, etwa Höhe ehemaliges Schloß). „XX Meilen bis Berlin“ ist darauf zu lesen. Doch bis wohin in Berlin?

Frank Henschel, Forscher der Forster Heimatgeschichte, weiß die Antwort: „Die Null-Meile ist auf alten Eintragungen auf dem Gendarmenmarkt verortet. Heute steht die Null-Meile in der Leipziger Straße in der Nähe des Gendarmenmarktes.“

Frank Henschel hat sich selber aufgemacht, diese steinernen Zeugen der Geschichte aufzuspüren. So steht nahe Tschernitz an der B 115 ein seltener „Zehnkilometerstein“. Im Forster Stadtteil Keune fällt am Ortsausgang ein Stein auf, der die „Unterhaltungsgrenze“ zwischen der damaligen kreisfreien Stadt Forst und dem Landkreis Sorau (heute Zary/Republik Polen) anzeigt.

Auch entlang der Verbindungsstraße vom ehemaligen Forster Stadtteil Berge nach Brody/Pförten sind viele dieser Zeitzeugen zu entdecken, darunter auch zwei Grenzsteine, die bisher nicht eingeordnet werden konnten, weil auf alten Messtischblättern an diesen Stellen gar keine Grenzen eingezeichnet sind. Für Frank Henschel ist diese Straße wegen der vielen Entdeckungen links und rechts der Strecke etwas Besonderes: „Das sind 12 km pure Geschichte!“

Frank Henschel und Jürgen Grumbt beteuern unisono, wie schwer es ist, an Archivmaterialien zur Postgeschichte zu kommen: „1815 wurden die sächsischen Akten an Preußen übergeben. Mittlerweile sind die Akten überall verstreut, ein Teil kam in die Oberpostdirektion in Frankfurt/Oder, ein Teil liegt in Zielona Gora (Polen) oder im Preußischen Staatsarchiv.“ Trotzdem soll intensiv weiter geforscht werden. „Die alte Poststraße zwischen Forst und Cottbus wäre ein interessantes Themengebiet“, so Jürgen Grumbt zum Abschluß und griff damit die Anregung eines Groß Jamnoer Einwohners auf.

Der nächste Geschichtsstammtisch findet am 29. November im „Hornoer Krug“ statt. Dann geht es um „dauerndes“ Gedächtnis. Schwerpunkt sind die Gefallenen-Denkmäler in der Region. Filmemacher Frank Junge hat eigens für diese Veranstaltung ungewöhnliche Luftaufnahmen der Objekte gemacht.

Auf den Spuren steinerner Zeugen der Geschichte

Zu „Geschichte und Geschichten in Stein“ lud der Museumsverein Forst am vergangenen Donnerstag Interessierte in den „Hornoer Krug“ ein. Im Rahmen des 39. Forster Geschichtsstammtisches wurden steinerne Artefakte und Flurdenkmäler, die sich auf polnischer Seite zwischen dem ehemaligen Forster Stadtteil Berge und dem Städtchen Pförten befinden, vorgestellt.

Moderator Frank Henschel verwies zu Beginn seines Vortrages auf eine gleichnamige Ausstellung im Kavaliershaus des Schlosses Pförten und nahm die zahlreich erschienenen Besucher anschließend mit auf eine imaginäre Fahrradtour zu den Zeugen der Vergangenheit. Von vielen ist nicht viel mehr übrig geblieben als Fragmente, bei einigen hat sich die Natur den Raum zurück erobert und legt sich wie ein schützender Mantel um die Objekte und gewährt nur Insidern Einblick. Doch es gibt auch Positives zu sehen. Dank deutsch-polnischer Freundschaften und auch einer gewissen Eigeninitiative konnten ein paar wenige Denkmäler gerettet und instandgesetzt werden, bevor sie endgültig in Vergessenheit geraten.

Gezeigt wurden historischen Aufnahmen der jeweiligen vorgestellten Objekte sowie der aktuelle Ist-Zustand. Anhand alter Pförtener Messtischblätter konnten die Historiker einige bisher unbekannte Denkmäler genauer verorten.

Neben den für die damalige Zeit typischen Turner- und Kriegerdenkmälern stellte Frank Henschel auch einige sehr spezielle Zeitzeugen aus Stein vor. So z.B. den Bruske-Stein, von den Einheimischen auch „Unglücksstein“ genannt. Der Ackerbürger Gottlieb Bruske aus Sommerfeld, der Überlieferung nach ein Kohlekutscher, fiel vermutlich übermüdet oder vom Alkohol berauscht von seiner Kutsche und wurde vom Fuhrwerk überrollt. Am Unfallort wurde ihm zu Ehren dieser Stein aufgestellt.

Nicht weniger interessant war es, Hintergründe zum Jagdstein im Pförtner Wald oder zum „Kallenbach-Stein“, einem Hinkelstein aus Granit, zu erfahren.

Auch zur bisher wenig bekannten Geschichte des Grafenkreuzes, an einer schwer passierbaren Eichen-Allee zwischen Kahlo und Beitzsch gelegen, konnte Frank Henschel Auskunft geben. 1856 verunglückte hier der 3. Standesherr der Grafschaft Brühl, Friedrich August Graf Brühl. Auf einem Findling war bis etwa 2005 ein riesiges geschmiedetes Kreuz angebracht, welches dann vermutlich gestohlen wurde. Dank der Initiative einiger historisch interessierter Bürger diesseits und jenseits der Neiße wurde ein neues Kreuz an alter Stelle errichtet. „Es gibt sogar Gerüchte und Mythen, die besagen, dass sich unter dem Findling ein kleiner, 7 kg schwerer Silberschatz befinden soll“ verrät Frank Henschel.

Ebenso mystisch mutet die verfallene Bockwindmühle in dem kleinen Örtchen Oegeln an. Von Bäumen und Sträuchern zugewuchert bietet sich dem Betrachter heute eine Ansicht, die an mysteriöse altertümliche Bauten tief im südamerikanischen oder asiatischen Dschungel erinnert.

Überregionale Bedeutung erlangte der Sinclair-Stein in der Nähe von Sorau. Der schottische Baron Malcolm Sinclair, der an der Seite der Schweden gegen Russland kämpfte, wurde 1739 hier von russischen Truppen ermordet. Zur Feier anlässlich der vor einigen Jahren beendeten Neugestaltung des Denkmals kamen sowohl Nachkommen des Barons als auch weitere Vertreter aus Polen, Schweden und Schottland.

Den Abschluß des Abends bildete der Blick auf einen ganz besonderen Stein: er befindet sich auf dem Rückenberg bei Sorau in 229 Meter Höhe NN und markiert den höchsten Berg der historischen Mark Brandenburg.

Forst mal aus einer anderen Perspektive

Eine ungewöhnliche Sicht auf die Stadt Forst bekamen die Besucher des 38. Geschichtsstammtisches am vergangenen Donnerstag im „Forster Hof“. Der Museumsverein lud zu einer Foto- und Filmvorführung zum Thema „Forst von oben“ ein.

Die Resonanz übertraf die Erwartungen der Veranstalter um Frank Henschel: kurz vor 18:00 Uhr waren alle bereit gestellten Stühle im „Forster Hof“ belegt, weitere Stühle mussten eilig heran geschafft werden, so groß war der Andrang. Seltene Ein- und Aussichten versprach Frank Henschel den gut 100 Zuschauern im Saal. Dazu hatte er sich Verstärkung geholt: Frank Owczarek zeigte auf der Leinwand zunächst eingescannte Postkarten mit alten Luftaufnahmen unserer Stadt. Leichtes Gemurmel unter den Anwesenden verriet, dass viele mit ihren Tischnachbarn rätselten, welcher Teil der Stadt da auf den Fotos zu sehen ist und was sich heute dort befindet.

Auffallend bei den Aufnahmen, die meist vor dem Krieg entstanden, waren die viele Schornsteine, die das Forster Stadtbild prägten. Aus der Luft erkennt man aber auch, dass das innere Stadtzentrum nahezu frei von Schornsteinen blieb und sich die Textilfabriken alle im damaligen Außenbereich befanden.
Eine weitere Auffälligkeit auf den Aufnahmen war die viereckige Bebauungsstruktur rund um die Stadtkirche, unterbrochen durch kleine heute nicht mehr erkennbare oder vorhandene Gassen.

Auch wenn Frank Henschel kompetent zu fast allen Fotos Auskunft geben konnte, blieben einige Fragen ungeklärt. So konnte nicht genau festgestellt werden, wo genau auf den Fotos das ehemalige Gasthaus „Kamerun“ zu finden ist. Selbst alteingesessene Forster konnten nicht immer für Aufklärung sorgen. Rätselhaft blieben zunächst auch die Kameraperspektiven einiger Fotografen – erst so nach und nach lichtete sich das Geheimnis, auch dank der Ortskenntnis einiger Zuschauer.
Der Blick auf den heute polnischen Teil von Forst, nach Berge, zeigte interessante Aufnahmen, so unter anderen die Aussicht über den „Seufzersteg“ auf das Finanzamt. Und ebenfalls nicht ganz uninteressant war die Ansicht des Brühl’schen Schlosses in Pförten, aufgenommen vor seiner Zerstörung.

Den zweiten Teil des Abends gestaltete Frank Junge. Der ehemalige Militärflieger der NVA widmet sich seit etwa 2 Jahren Luftbildaufnahmen, die er mit einer Kameradrohne diesseits und jenseits der Neiße aufnimmt. Bewegte Bilder aus der Luft geben ein völlig anderes Bild von Forst wieder. Man erkennt die Weitläufigkeit des Rosengartens, sieht die maroden Fabriken aus der Vogelperspektive, erkennt Details, die vom Boden aus nicht zu sehen sind.
Neben dem Film „Forst von oben“ zeigte Frank Junge „Zerstörte Brücken“ und nahm den Besucher mit auf eine Reise entlang der Neiße. Aufnahmen einer unberührten Natur, mystisch in Szene gesetzt mit dem Morgennebel am Flußufer und im Kontrast mit den Brückenstümpfen in der Neiße  zeugen von der Schönheit und Zerbrechlichkeit der Heimat.
Den Abschluss bildeten stimmungsvolle Sonnenuntergänge, aufgenommen am Silvestertag der Jahre 2015 und 2016.

„Es ist erstaunlich, wie groß eigentlich Forst ist“ und „Eigentlich ist Forst doch ein schönes Städtchen“ waren einige der Reaktionen der Zuschauer nach der Filmvorführung, die sich mit langem Beifall bei Frank Junge für die schönen Aufnahmen und ungewöhnlichen Blicke auf ihre Stadt bedankten.

Feuerwachturm im Natur-Wald-Edukationszentrum Jeziory Wysokie (Polen)

BFeuerwachturm Jeziory Wysokieegehbarer Feuerwachturm der Oberförsterei Lubsko (Polen)
Höhe: 41 Meter
Aussichtsplattform in 35 Meter Höhe
Stufen: 176

Der Turm befindet sich im Natur-Wald Edukationszentrum in Jeziory Wysokie (Polen) nahe Pförten (Brody). In Pförten befindet sich das Schloß des Grafen Heinrich von Brühl, engster Vertrauter von „August dem Starken“ und später sächsischer Ministerpräsident unter August III.

Das Büro zum Turm befindet sich etwa 100m vom Turm entfernt, dort kann bei Bedarf der Schlüssel zum Turm abgeholt werden. Feuerwachturm Jeziory Wysokie

Feuerwachturm Jeziory Wysokie

Blick vom Turm auf das Natur-Wald Edukationszentrum

Feuerwachturm Jeziory Wysokie

Bei schönem Wetter ist das Kraftwerk Jänschwalde zu sehen.

Feuerwachturm Jeziory Wysokie

Auch Pförtens Partnerstadt Forst (Lausitz) ist zu sehen.

Feuerwachturm Jeziory Wysokie

Wälder und Gewässer dominieren die Landschaft rund um Pförten.